Die Bestattungsriten der Dia de Muertos in Mexiko

Touristen in Mexiko staunen nicht schlecht, wenn Ende November an
allen Straßenecken plötzlich jede Menge Skelette auftauchen. Ob aus Holz, Plastik, Gips oder aus Stoff, aus welchem Material auch immer sie gebastelt werden, die Kinder sind ganz vernarrt in diese Gerippe. Doch noch lieber mögen sie die dazu passenden, süßen Schädel aus Zucker. Auf manchen dieser Schädel stehen Namen wie Carlos oder Guadelupe. Es sind die Namen von Verstorbenen. Denn in ganz Mexiko wird Ende Oktober das größte Fest Mexikos gefeiert, die Dia de Muertos.

Es ist für so manchen Fremden kaum nachzuvollziehen, was sich am Tag der Dia de Muertos alles abspielt. Uralte Rituale und indianischen Vorstellungen spiegeln sich an diesem Tag in ganz Mexiko wieder. Schon die Azteken glaubten daran, dass nach dem Tod eine sehr schwere und lange Reise für die Seelen beginnen würde. Damit die Seelen auch alles gut durchstehen können, wurden ihnen ihre Waffen und Kleider mit in den Sarg gelegt.

Am Dia de Muertos bekommen die Kinder Schäden und Minisärge aus Zuckerguss geschenkt

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Die Dia de Muertos ist ein Fest, welches die Hinterbliebenen der Verstorbenen alljährlich in Mexiko mit Verwandten und Bekannten zu deren Ehren feiern. Am 30. Oktober gehen die Hinterbliebenen auf den Friedhof und streuen auf dem Rückweg vom Grab des Verstorbenen bis nach Hause Blumen. Dieser Blumenweg soll den Toten den Weg nach Hause zeigen. Für die Seelen der Toten ist der Weg von Nirwana bis zu den Hinterbliebenen ein langer Marsch. Doch zu Hause wartet ein Stuhl, eine Schüssel mit Wasser und frische Kleidung auf den Ehrengast. Nachdem sich die Seele des Verstorbenen ausgeruht hat, bekommt sie Geschenke von den Hinterbliebenen, Verwandten und Bekannten. Dann wird ausgelassen in den Häusern und auf der Straße bis zum Friedhof hin gefeiert. Gewöhnlich geht die Feier bis zum anderen Morgen. Doch es gibt auch ernste, andächtige Stunden dieser Zeremonie. Dann werden Kerzen angezündet, und man betet zu Guadelupe und der Jungfrau Maria für die Verstorbenen. Zum Abschluss des Festes gibt es dann noch ein farbenfrohes Feuerwerk.





La Catarina, das Skelett einer Dame aus der besseren Gesellschaft, ist eine der beliebtesten Figuren am Tag der Toten, dem Dia de Muertos in Mexiko

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In unser westlichen Welt wird der Tod tabuisiert, da wir eher in einer Welt voller Tatsachen und Fakten  leben. Wir sehen den Tod eher als unangenehm an und sprechen nicht gern darüber. Wir verdrängen den Gedanken an den Tod als würden wir ewig Leben. In Mexiko aber denkt und handelt man anders. Die Mexikaner gedenken an ihre Toten und halten die Verbindung zu ihren Verstorbenen aufrecht. Denn nur wer die Seelen weiter leben lässt, kann sich sicher sein, dass der Verstorbene ein Ewiges Leben finden wird. Auch im modernen Mexiko bleibt diese indianische Kultur gegenwärtig.