Bestattungsrituale der Dogon (Mali)

Tanzmaske der Dogon, die bei einem Todesfall getragen wird
Foto: Holger Reineccius, Creative Commons Attr.-Share Alike 2.0 Germany)

Die Dogon im Osten Malis sind ein afrikanischer Volksstamm von etwa 350.000 Einwohnern, der am westlichen Rand der Hombori-Berge lebt. Dort steigen auf eine Länge von 140 Kilometern 300m hohe Felswände fast senkrecht aus der Gondo auf. Diese natürliche Barriere ist fast unüberwindlich. Die Dogon siedeln dort nahe der Abbruchkante in kleinen Dörfern.
Der Stamm der Dogon war ursprünglich im Nordwesten Obervoltas, dem heutigen Burkina Faso, zuhause. Von dort wurden sie bereits vor im 15.Jahrhndert durch die Norden her vordringenden wilden Reitern der Mossi, die den Islam weiter südwärts nach Schwarzafrika tragen wollten, verdrängt. Sie flüchteten bis in die Hombori-Berge, wo sie ihrerseits die ursprünglichen Bewohnern der Felshänge von Bandiagara, die Tellem, verdrängt.
Diese Tellem, kleinwüchsige Ureinwohner der Region, hausten in den Höhlen der Felswände. Auch sie hatten vermutlich ihre Wurzeln in Burkina Faso, wo sie einst als Stamm der Kurimba lebten.
Die Dogon haben unterhalb dieser Höhlen kleine Siedlungen angelegt, die denen der indianischen Pueblos in Mexiko ähneln. Die Häuser dieser Wehrdörfer sind wie Bienenwaben übereinander angeordnet. Die Dogon sind bekannt für ihre hochentwickelten handwerklichen Künste. Dazu gehört vor allem das Schnitzen großer Holzmasken. Mehr als 100 Maskentypen sind bekannt. Sie alle werden von der Muttermaske, der Imana-na, abgeleitet, die 10m hoch ist und nur zu besonderen Trauerfeiern zu Ehren der Ahnen, dem sigi-Fest,  alle 60 Jahre für eine Woche zu sehen ist. Das sigi-Fest spielt eine zentrale Rolle im spirituellen leben der Dogon. Dabei spielt die sirige-Maske eine besondere Rolle. Sie ist 5m hoch und setzt sich aus 80 Etagen zusammen, die symbolisch die 80 Urahnen der Dogon darstellen sollen. Obwohl die Maske hoch und entsprecend ist, vollführt der Tänzer, der sie trägt, mit ihr gewaltige Sprünge während seines Tanzes. Mit diesem Ritual soll beim sigi-Fest das Chaos in der Dorfgemeinschaft der Dogon beseitigt werden, dass dadurch entstanden sein könnten, dass ihre Ahnen Vorbote nicht beachtet und Tabus gebrochen haben könnten. Es gibt viele weitere Masken, die meist Tiergestalten darstellen.
Die Dogon sind aber auch für andere Holzschnitzarbeiten bekannt. Dazu gehören die aduno koro, die Archen der Welt – hölzerne Ritualtröge, die im Haus des Dorfältesten aufgehoben werden. Diese Holztröge zeigen vorne einen geschnitzten Pferdekopf, hinten entsprechend einen Pferdeschweif. Damit erinnern sie an den Ahnenkult der Bissagos auf den Inseln vor der Küste von Guinea Bissau, die die Gebeine ihrer Vorfahren in den heiligen Bonitofisch-Kanus aufbewahren.  Oder die Königsgräber in Form von Kanus im Westen Madagaskars.
Auch Ahnenfiguren werden von den Dogon aus Holz hergestellt. Diese Ahnenfiguren werden auf Altäre aufgestellt, die den Ahnen gewidmet sind. Auch heute noch gehören die Dogon einer Naturreligion, in deren Zentrum die Verehrung ihres Schöpfergottes amma und ihrer Ahnen steht. In den Höhlen der Bandiagara-Felsen hat man ähnliche Ahnenfiguren entdeckt, die teilweise weitaus älter sind und vermutlich noch von den Tellem, die vor dem Dogon hier siedelten, stammen.
Wenn jemand aus der Dorfgemeinschaft der Dogon gestorben ist, dann wird ihm zu Ehren ein regelrechter Totentanz aufgeführt. Um den Dorfplatz herum stehen dicht an dicht die Männer, Frauen und Kinder, nach Geschlechtern getrennt. Auf den Felsvorsprüngen sieht man Männer stehen, die die Masken herbeirufen sollen. Aus allen Winkeln der Häuser und Hütten strömen Tiermasken zur Dorfmitte herab. Man sieht Affenschädel, Stierköpfe, Gazellen- und Eidechsenköpfe. Die Maskentänzer wirbeln zum dumpfen Klang der Trommeln umher, dabei folgen sie manchmal einem bestimmten Tanzschema, meist jedoch nimmt das Hüpfen und Springen improvisierte Formen an.  Und mitten drin die sigiri, die fünf Meter hohe Schlangenmaske. Die Maskenträger sind mit violetten Baströcken bekleidet, die symbolisch die Fäden von Ameise und Termite, den beiden Frauen des Schöpfergottes Amma darstellen.
Am Ende dieses Totentanzes neigt sich die sigiri-Maske in einem letzten Schwung zu den Totentüchern herab. Damit nimmt sie das nyama der Toten auf, einer Urkraft der Schöpfung, die nicht nur Menschen, sonder auch Tiere und sogar pflanzen und Steine in sich tragen. Wird diese Schöpfungsenergie der verstorbenen nicht durch die sigiri-Maske gebunden, dann irren die Seelen der Verstorbenen weiter in den Dörfern der Dogon umher und stiften Unruhe.
In anderen Dörfern der Dogon wird in der Dunkelheit im Schein von Fackeln ein Totenspiel aufgeführt. Auf den Hausdächern stehen die Vorrufer, Schatten tanzen vorbei zu wildem Gejohle, krach und Schüssen. Die Frauen streuen sich Sand auf die Schultern, der die Hirse symbolisiert, die der Verstorbene vor seinem Tod geerntet hat.  Die Männer stürmen mit Speeren und uralten Flinten bewaffnet auf das Haus des Verstorbenen zu und führen Scheinkämpfe auf.