Traditionelle Trauerriten der Chinesen

Die Chinesen glauben traditionell, dass der Tod den Höhepunkt ihres spirituellen lebens darstellt. Daher ist es ihnen wichtig, rechtzeitig darauf vorbereitet zu sein und für eien prunkvolle Beerdigung zu sparen.

Bei den Chinesen glaubt man nicht, dass der Tod das Ende ist, sondern dass mit dem Tod die Seele in die Ewigkeit wechselt. Ist das Familienoberhaupt verstorben, so kommt  es seinem Nachfolger, dem ältesten Sohn des Hauses zu, die Trauerriten zu leiten. Er geht von Haus zu Haus, kniet vor den Türen nieder, um die Nachricht vom Ableben den Verwandten und Nachbarn zu überbringen. Obwohl es sonst für Chinesen nicht üblich ist und als unschicklich, Gefühle in der Öffentlichkeit zu zeigen, bei der Todesnachricht, brechen sie in lautes Wehkleinen aus und beweinen den Verstorbenen. Besonders vom ältesten Sohn, dem Überbringer der Nachricht, wird erwartet, dass er seinen Schmerz deutlich zeigt. Auch wenn man in Wirklichkeit gar nicht richtig traurig ist. Es bleibt jedoch verpönt, über die Gefühle von Trauer und Schmerz miteinander zu reden.
Der Verstorbene wird in einen Sarg gelegt und für eine Woche im Haus oder Hof aufgebahrt. Es folgt eine Totenwache, die mindestens 7 Tage dauern soll. Von den weiblichen Angehörigen wurde erwartet, dass sie während dieser Zeit, weder rote Kleider noch irgendeinen Schmuck trugen. Man erwartete von ihnen, dass sie diese Trauerzeiten am lautesten mit ihren Wehklagen begleiteten. Denn sie und ihre Schwiegertöchter waren es, die den größten Verlust zu beklagen hatten, da ihnen nun der besondere Schutz des Familienoberhauptes fehlte. Die Söhne, Tochter und Schwiegertöchter trugen während dieser Zeit traditionell schwarze Kleidung, die Enkel dagegen Blau und die Großenkel hellblau. Schwiegersöhne wurden hingegen als Außenstehende betrachtet, die nicht zum Familienclan gehörten. Daher durften sie auch weiterhin helle Kleider tragen.
Nach der Beerdigung begann die Trauerzeit, die 100 Tage dauern sollte. Als sichtbares Zeichen ihrer Trauer trugen die Angehörigen des Verstorbenen während dieser Zeit einen Stoffstreifen am Ärmel. Dabei konnte man an der Farbe des Stoffs ablesen, in welchen Verwandtschaftsverhältnis der Trauernde zu dem Verstorbenen stand. Die Kinder trugen ein schwarze Biden, Enkel wiederum Blau, und die Kinder der dritten Generation, die Urenkel; ein grünes Stoffband. In der ersten Hälfte dieser Trauerzeit durften die Angehörigen ihre Haare nicht schneiden lassen. Und vom ältesten Sohn, als Nachfolger des Familienoberhauptes, wurde erwartet, dass er keine roten Kleider trug. Während dieser Zeit durfte er auch nicht heiraten. Diese strengen Regeln und Trauervorschriften galten jedoch nur, wenn das Familienoberhaupt verstorben war. War hingegen eine Frau oder ein Kind gestorben, so wurde davon wenig Aufhebens gemacht und die Trauerzeit konnte völlig entfallen.
In der ersten Aprilwoche wird das chinesische Qingming-Fest begangen. An diesem Tag gedenkt man den Toten. Das Grab des verstorbenen Familienangehörigen wird sauber gefegt und reichlich mit Blumen geschmückt. Vor das Grab stellt man die Lieblingsspeisen und Gegenstände, die der Verstorbene zu Lebzeiten besonders gemocht hat. Dazu wird das papierne Totengeld verbrannt, und es werden Weirauchstäbchen angezündet. In einigen Regionen werden neben diesem Totengeld auch Autos, Kleider, ja sogar Schuhe aus Papier verbrannt, die eifrige Händler den Angehörigen vor den Toren des Friedhofs zum Kauf anbieten. Diese Gegenstände aus Papier sollten dem Verstorbenen im Jenseits symbolisch geschenkt werden, um ihn damit gnädig und wohlwollend gegenüber seinen Nachkommen zu stimmen, deren Geschicke er auch weiterhin bestimmte. Am Tag des Qingming-Fest darf auch nicht gekocht werden. Man verzehrt ausschließlich kalte Speisen.
Vor wenigen Jahren wurde das Qingming-Fest in der Volksrepublik zu einem offiziellen Feiertag erklärt. Und auch in Taiwan begeht man dies Fest, da es zeitlich mit dem Todestag ihres ehemaligen Führers Tschiang Kaischeck zusammenfällt.
Um den verstorbenen Familienangehörigen auch weiterhin den ihnen gebührenden Respekt zu zollen, errichtet man ihnen zu Ehren kleine Hausaltäre oder stellt Ahnentafeln auf, die an die Verstorbenen erinnern.