Das Pijiguao-Fest der Yanomami-Indianer aus Brasilien

Mitten im Regenwald Amazoniens lebt einer der letzten Naturstämme dieser Erde - die Yanomami-Indianer. Sie haben Jahre lang um ihr Überleben gekämpft, oft gegen die Regierung. Sie leben schon seit Jahrhunderten in dieser Region und wurden immer weiter zurückgedrängt in entlegene Urwaldgebieten in der Grenzregion zwischen Brasilien und Venezuela. Sie gelten als direkte Nachfahren eines uralten Volkes. Die Brasilianer bezeichnen die Yanomamis als ein primitives Menschenvolk. Die Indianer ihrerseits nennen die Brasilianer Erdfresser. Denn sie durchwühlen und zerstören die Wälder auf der Suche nach Edelholz und Bodenschätze, wie Wildschweine, die auf Nahrungssuche gehen. Die Yanomami-Indianer haben ihre Kultur und Lebensweise bis heute behalten. Sie leben in Runddörfer, Shabono genannt, die weit verstreut im Regenwald liegen. Nur 50 bis 250 Menschen wohnen in jedem Runddorf. Und es nur noch rund 250 autarke Shabonos. Shabono, das bedeutet Lichtung im Wald.

Denn das Volk der Yanomami lebt noch mit der Natur im Einklang. Alles, was die Yanomani-Indianer zum Lebensunterhalt brauchen, wird angepflanzt oder auf der Jagd erlegt. Nur wenige Nutzpflanzen gedeihen auf dem nährstoffarmen Boden: Früchte, Kochbananen und Maniok sind die Hauptnahrungsmittel der Yanomamis. Wenn sie auf Jagd gehen, sind sie oft wochenlang unterwegs. Sie fischen, jagen und sammeln Wildfrüchte, die dann mit ins Dorf gebracht werden. Gejagt werden Pumas, Gürteltiere, Tapir, Faultier und Hühnervögel. Die Frauen sammeln Flusskrebse und Insektenlarven. Die Yanomamis glauben an ein Weiterleben nach dem Tod, und dass sie als ein Tier wieder auf die Erde zurückkommen. So werden aus den Jägern Adler oder Affen. Die Frauen kehren als Fischotter auf die Erde zurück. Daher werden Fischotter auch nicht gejagt. Der Tod eines Fischotters bedeutet auch den Tod einer Yanomami-Frau.

Yanomamifrauen bringen Ihre Kinder außerhalb des Dorfes zur Welt. Die Mutter beißt die Nabelschnur mit einem kräftigen Biss ab. Das Kind darf nur überleben, wenn nicht schon ein anderes Kind da ist, welches noch auf die Hilfe der Mutter angewiesen ist. Ist dies der Fall, dann wird das Neugeborene getötet. Behinderte und schwache Kinder werden auch getötet. Wurde eines der Babys jedoch von der Mutter schon gestillt, dann kann es am Leben bleiben. Das klingt zwar hart, sichert aber das Überleben der Dorfgemeinschaft unter den kargen Lebensbedingungen im Regenwald.

Die Yanomami leben in großen, Rundhäusern, Yanos oder Shabonos genannt. Sie glauben, dass alle Menschen gleich sind. Daher gibt es bei ihnen, gibt es bei ihnen auch keinen Anführer. Alle Entscheidungen werden nach langen Debatten gemeinsam getroffen, und alle haben gleiche Rechte und Ansprüche.  Die Yanomamis sind ein kleinwüchsiges Volk. Die Männer sind nur 1,60 cm groß. Ihre Kleidung ist spärlich, jedoch an das feucht-schwüle Klima angepasst. Die tonsurartige Frisur der Yanomami schmückt ein prächtiger Kopfschmuck und sie tragen eine aufwendige Körperbemalung zur Schau. Das Totenfest und die Reifefeier der Pijiguao-Palme bestimmen die Rituale der Yanomami-Indianer.

Ihre spirituelle Welt bestimmt zu einem wesentlichen Teil ihr Leben. Für die Shamanen ist jeder Baum, jeder Berg und jeder Stein ein Lebewesen, welches einen Geist besitzt. Da die Yanomami glauben, dass ihnen die Geister Krankheiten bringen, werden sie von den Indianern bekämpft. Sie kontrollieren diese Geister, indem sie ein Pulver inhalieren, welches Halluzinationen hervorruft und die Yanomami in Trance setzt. In diesen Zustand treffen sie sich mit den Geistern. Nicht alle können die Geister  sehen, nur die, die sie kennen.

Diese Geister sind sehr klein und leuchten ganz hell. Tausende von Xapiripe, wie die Shamanen diese Geister nennen, leuchten wie Sterne. Sie sind wunderschön bemalt und geschmückt mit Papageienfedern.
Für die Yanomami sind die magischen Zusammenkünfte bei der Abhaltung der Totenfeiern von zentraler Bedeutung. Der Glaube der Yanomami-Indianer besagt, dass die Seelen der Verstorbenen nur dann ihre Reise in das Jenseits antreten können, wenn alle Zeremonien abgeschlossen worden sind. Dazu gehört zuerst das Klagegeschrei der Verwandten. Danach findet auf dem Dorfplatz die Verbrennung des Toten statt. Nach der Verbrennung werden die verkohlten Knochenreste eingesammelt und zu einem Pulver gestampft. Dieses Pulver wird in Kalebassen gefüllt. Dann nehmen die Trauernden ein Bad zur Reinigung vom Rauch, der die Totenseele in das Jenseits geführt hat. Sie glauben an eine Schattenseele, die sich nun in Tiergestalt im Wald aufhält. Die Shamanen haben eine enge spirituelle Verbindung zu diesen Tieren. Stirbt der Mensch, so stirbt das Tier und umgekehrt. Einen Monat, nachdem der Tote verbrannt worden ist, wird sein Knochenpulver in eine Bananensuppe gemischt und von seinen den Verwandten aufgezehrt, bis die Kalebasse vollständig geleert ist.
Das Toten-Ritual der Yanomami legt auch fest, dass, wenn ein Yanomami im Krieg gestorben ist, ein neuer Krieg entfacht werden muss, um diesen Toten zu rächen. Die Yanomami sind ein außergewöhnlich wildes und kriegerisches Volk. Wenn sie andere Dörfer überfallen, dann nur mit der Absicht zu töten. Bevor sie in den Krieg ziehen, treffen sich die Männer und blasen sich gegenseitig kleine Mengen Drogen in die Nasenlöcher. Dann werden die Geister beschworen, um entweder anzugreifen oder um den Geist der Feinde davon abzuhalten, selbst angegriffen zu werden. Das erste Schnupfen dieser Droge ruft starke Schmerzen, Würgen und Erbrechen hervor. Doch die Gemeinschaft ist den Yanomami-Kriegern wichtig. Daher werden täglich solche Drogen-Rituale vollzogen.
Die Yanomami waren einer der größten und bedeutendsten, traditionellen Indianerstämme des südamerikanischen Tieflandes. Doch da der moderne Mensch anderen nichts gönnt, sondern nur seine Vorteile sieht, muss das Volk der Yanomami nun um sein Überleben kämpfen. Diamantensucher, Goldschürfer und die Armee vertreiben mit Macht das Volk der Yanomami aus ihrem angestammten Gebiet. Den Eindringlingen ist jedes Mittel recht. Die Yanomami werden gewaltsam vertrieben und ihrer Existenzgrundlage beraubt. Dörfer werden angezündet, Frauen vergewaltigt und verschleppt. Brandrodungen werden immer noch von Regierungsseite geduldet. Die Kultur der Yanomami ist wohl dem Untergang geweiht. Gegen den Ansturm des sogenannten modernen Industrie-Zeitalters haben sie kaum eine Überlebenschance.