Sterbebegleitung

"Jemanden zu begleiten" bedeutet, mit einer Person einen Weg zu gehen; ihr Gesellschaft, Unterhaltung, Schutz oder Fürsorge zu bieten. Es bedeutet aber auch, die Anwesenheit dieser Person zu genießen und selbst Nutzen daraus zu ziehen. Wie lässt sich diese Definition mit Sterben in Verbindung bringen? Wie können Sie einen Menschen beim  Sterben "begleiten" oder gar selbst davon profitieren?
Zunächst einmal, indem Sie sich klar machen, dass "Sterben" weit mehr ist als das Erlöschen von Organfunktionen oder die  Übergangsphase zwischen Leben und Tod. "Sterben" ist ein Prozess. Ein Prozess, der viel früher beginnt, als nach außen ersichtlich ist bzw. der mit anderen Symptomen einsetzt, als allgemein zum "Sterben" hinzugezählt werden. Er fängt damit an, dass der Betroffene das Nahen des eigenen Todes erkennt und weiß, dass sein Leben zu Ende gehen wird. Zwischen diesem Moment und dem tatsächlichen Tod können je nach Ausgangslage wenige Sekunden oder einige Wochen liegen.

Nach heutigem Wissenstand vollzieht sich das Sterben in mehreren Phasen. Die Erforschung und Benennung derselben ist vorrangig Elisabeth Kübler-Ross zu verdanken, die sich Zeit ihres Lebens mit Sterbenden und ihren Bedürfnissen beschäftigt hat. Ihren Erkenntnissen zufolge durchsteht ein sterbender Mensch einen Prozess, der so individuell ist wie es seine Persönlichkeit und seine Vita waren. Er erreicht ein Stück Weg, das er unmöglich überspringen, umgehen oder auslassen kann, denn es ist Teil seines Lebens. Einen Sterbenden zu begleiten heißt also nicht, ihm diese Etappe zu ersparen oder die Verantwortung dafür abzunehmen. Vielmehr bedeutet es für Sie, ihn zu unterstützen und zu umsorgen; ihn wahrzunehmen und auf situationsbedingte Belange einzugehen.

Ein Sterbender ist - so paradox es klingen mag - ein Mensch in einer besonderen LEBENS-Situation. Und wie alle Lebenssituationen ist auch diese von physischen und psychischen Bedürfnissen geprägt. Neben rein pflegerischen Maßnahmen wie der Optimierung von Lagerung und Umgebungstemperatur oder das Stillen von Hunger, Durst und Schmerzen spielen auch Faktoren wie Angst, Unruhe, Gesprächsbedarf oder der Wunsch nach Zuneigung und körperlicher Nähe eine Rolle. Nicht alle Sterbenden sind in der Lage, sich zu äußern oder gar selbst für ihr Wohlbefinden zu sorgen. Ihre Aufgabe als Sterbebegleiter ist, unzureichend oder gar nicht ausgedrückte Wünsche zu erkennen und ihnen zu entsprechen.
Dabei setzt diese Tätigkeit nicht zwingend Erfahrungen im Pflegebereich oder im Umgang mit Sterben, Tod und Trauer voraus. Hier sind Sie nicht als medizinisches Fachpersonal, sondern als MENSCH gefragt. In dieser Funktion kann Sie keine Technik, Ausbildung oder Wissenschaft ersetzen. Manchem Sterbenden genügt die bloße Anwesenheit einer Person - auch und gerade dann, wenn er sie scheinbar nicht wahrnimmt oder auf Ansprache und Berührung nicht reagiert.

Inwiefern aber kann der Sterbeprozess eines anderen Menschen Ihnen als Begleitende bzw. Begleiter nützlich sein? Wie kann er IHNEN dienen, wo doch all Ihre Aufmerksamkeit und Fürsorge auf den Sterbenden gerichtet ist? Sterbebegleitung ist eine Interaktion, die auf Gegenseitigkeit beruht. Im Umgang mit einem Sterbenden sind Sie darauf angewiesen, sich seinem Tempo und seinen Kommunikationsmitteln anzupassen. Durch Ihre Hinwendung nehmen Sie unter Umständen eigene Defizite wie Ängste, Unsicherheiten oder offene Fragen wahr; Sie werden herausgefordert, sich diesen zu stellen, sie zu hinterfragen und sie zu kontrollieren. Dadurch wird ein großer Teil des  Sterbeprozesses für Sie erleb- und verstehbar.


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